Bergith Franke und Erika Gundlach-Schröter von der gEMiDe Kleiderkammer

In der Januar-Ausgabe 2021 des hannoverschen Magazins Stadtkind gibt Annika Bachem einen ausführlichen und sehr guten Rückblick auf die Arbeit unserer Kleiderkammer. Zwei ehrenamtliche Mitarbeiterinnen wurden interviewt, Erika Gundlach-Schröter und Bergith Franke. Sie erzählen über die Nachhaltigkeit, das Engagement und den Zusammenhalt.
Wir bedanken uns bei der Stadtkind-Redaktion, besonders bei Frau Annika Bachem und dem Kleiderkammer-Team.

Gesellschaftliches Engagement von MigrantInnen und Deutschen, kurz gEMiDe ist ein Netzwerk von 400 Ehrenamtlichen aus 26 Nationen, die in den verschiedensten Bereichen tätig sind. Eine Facette davon ist die Kleiderkammer im Roderbruch, wo ein kleiner Kreis Engagierter mit der Kleiderkammer ein beeindruckendes Projekt auf die Beine gestellt hat. Liebevoll zusammengestellt und ausgesucht werden hier Kleidung und Haushaltsgegenstände präsentiert. Und BesucherInnen können sich fühlen, wie in einem gut geführten Secondhandshop.

Mit der großen Zahl Geflüchteter 2015 begann das Engagement von Bergith Franke. Sie folgte dem Aufruf des Oststadtkrankenhauses, das damals als Unterkunft für über 800 AsylbewerberInnen diente. „Ich fand es sinnvoll und wichtig, dort zu helfen, aber es hat mich auch einfach interessiert“, erinnert sie sich. „Ich fand die Kleiderkammer gut und mochte den direkten Kontakt mit den Geflüchteten. Wir hatten sagenhaft viele Kleiderspenden damals, und als die Unterkunft 2017 geschlossen wurde, hatten mehrere Ehrenamtliche die Idee, das an anderer Stelle weiterzuführen.“
Erika Gundlach-Schröter kam, als sie in den Ruhestand ging, über den Präventionsrat des Stadtbezirks Kleefeld-Buchholz dazu, sich in der Geflüchteten-Unterkunft am Annateich zu engagieren. Dort betrieb der Präventionsrat den sogenannten „Bäckerdienst“, der von Bäckereien nicht verkaufte Backwaren sonntags an Geflüchtete verteilte. „Aber dieser eine Sonntag erschien mir zu wenig“, erzählt Gundlach-Schröter. „So kam ich auch zum Oststadtkrankenhaus. Mich interessierte die Kleiderkammer, denn so eine Idee hatte ich schon für die Unterkunft am Annateich, aber da hatten wir keinen Platz.“ Die Kleiderkammer im Oststadtkrankenhaus hatte zweimal wöchentlich geöffnet, etwa 20 ehrenamtlich Mitarbeitende waren damals dabei. „Als das dann geschlossen wurde, konnten ein paar von uns nicht einfach aufhören. Wir hatten noch so viele Spenden und wir wussten einfach, dass ein großer Bedarf besteht. Wir haben hier im Roderbruch in der fußläufigen Umgebung allein fünf Unterkünfte mit jeweils 80 bis 150 Menschen. Wir haben dann echt gekämpft dafür“, so Gundlach-Schröter.
Der damalige Bezirksbürgermeister von Buchholz-Kleefeld, Henning Hofmann, setzte sich für das Projekt ein, und es entstand ein Kontakt zu der Firma Gundlach Bau und Immobilien GmbH & Co. KG, die die heutigen Räumlichkeiten im Roderbruch kostenlos zur Verfügung stellt. Seitens der Stadt Hannover wurde Hülya Feise angesprochen, ob sie mit ihrem gEMiDe e.V. nicht die Trägerschaft der Kleiderkammer übernehmen könnte.
„Wir haben uns zusammengesetzt, waren uns schnell sympathisch und hatten gemeinsame Ziele. So kann man gut zusammenarbeiten“, erinnert sich Feise. Schon im Dezember 2017 konnte dann die Kleiderkammer in der Buchnerstraße 13b eröffnet werden. Und es läuft! Die „Kunden“ zahlen symbolisch einen Euro, wenn sie kommen und sich kostenlos Kleidung und Haushaltswaren aussuchen dürfen. Bergith Franke und Erika Gundlach-Schröter sind meistens in der Ausgabe der Spenden beschäftigt. Die vier- bis sechsmal wöchentlich eintreffenden Spenden müssen angenommen, sortiert und eingeräumt werden. Und nach dem Ende eines Kleiderausgabe-Nachmittags ist so mancher Kleiderständer wie leergefegt.
Mit dem März-Lockdown war auch hier ganz plötzlich Schluss. Nach der Erarbeitung eines Hygienekonzepts konnte es am 25. Mai weitergehen. Nun dürfen die BesucherInnen allerdings nur noch allein und nach Erfassung der Kontaktdaten kommen. Auch die Spenden müssen jetzt einzeln und nach Terminvergabe übergeben werden und die Personalien der Spendenden werden ebenfalls aufgenommen. „Wir suchen dann die Sachen gleich aus, wir wissen genau, was die Leute brauchen und was uns hier nur einstauben würde“, so Gundlach-Schröter.
Die Kleiderkammer ist offen für alle, nicht nur für Geflüchtete. Schon drei Stunden vor Öffnung stehen manche in der Schlange, um möglichst als erste eine gute Auswahl zu haben. „Wir sind aber auch einfach ein guter Kontaktpunkt“, wir sehen die Leute ja draußen, wie sie sich unterhalten und zum Teil gleich Dinge tauschen“, lacht Gundlach-Schröter. Und Franke berichtet, dass viele, die aus der Unterkunft in eine eigene Wohnung umziehen, auch dann noch wiederkommen, selbst wenn sie dafür durch die halbe Stadt fahren müssen. Einge kommen sogar aus der Region.
„Was uns an dem Projekt außerdem total begeistert, ist der Gedanke der Nachhaltigkeit“, so Franke. „Wenn man sich die ganze Kleidung, die wir schon weitergegeben haben, auf einem Haufen vorstellt, wäre der gigantisch!“ Das Wichtigste aber bleibt für sie der direkte Kontakt mit den Menschen, die zu uns kommen. „Nach der großen Hilfsbereitschaft von 2015 sind die für viele total aus dem Fokus geraten. Es macht mir dazu große Sorgen, wie viel Hass ihnen heute von mancher Seite entgegenschlägt.“
Das Team der Kleiderkammer im Roderbruch ist gut eingespielt und im Moment vollständig. Wer Interesse an einer solchen ehrenamtlichen Tätigkeit hat, meldet sich aber gerne bei gEMiDe, da Kleiderkammern in weiteren Stadtteilen geplant werden.

Autor: Wolke von Stadtkind am 01.01.2021

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