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Jugendliche zwischen zwei Welten 18 Jugendliche aus hannoverschen Zuwandererfamilien haben ihr Leben für die Ausstellung „Schau mich an“ fotografiert. Jetzt sind die Bilder im Historischen Museum zu sehen und erlauben Einblicke in ihre Lebenswelten.

Wir bedanken uns für die umfangreiche Berichterstattung bei: Simon Benne (HAZ) und Nancy Heusel (Fotos).


Hannover. Anfangs war es gar nicht so leicht“, sagt Mehmet. „Es ist ja ein Unterschied, ob man Bilder nur für sich selbst macht, oder ob sie ausgestellt werden.“ Manchmal braucht es eben Mut, um etwas von sich preiszugeben. Und es braucht Demut, um etwas für sich zu behalten. Und es braucht Klugheit, um die Grenze dazwischen zu ziehen. Der 16-jährige Mehmet jedenfalls hat es mit seinen Bildern jetzt bis ins Museum geschafft. In der Fotoausstellung „Schau mich an!“ geben Jugendliche aus Zuwandererfamilien im Historischen Museum jetzt Einblicke in ihre Lebenswelten. Darunter sind auch Bilder, die Mehmet beim Eislaufen zeigen, bei einem Besuch im Sealife oder mit seiner Schwester.

Über mehrere Monate hinweg haben 18 Jugendliche zwischen 11 und 24 Jahren an den Projekt gearbeitet. Fotostudenten der Hochschule erklärten ihnen in Workshops, wie man Motive sucht, Fotos komponiert - und wie man sich im Wortsinne ein Bild von sich selbst macht. „Die meisten Jugendlichen produzieren ständig Fotos von sich - doch so konnten sie lernen, bewusst etwas über ihre Welt zu erzählen“, sagt Fotoprofessorin Karen Fromm.

Initiiert hat das Fotoprojekt der Verein gEMIDe, der das ehrenamtliche Engagement von Migranten fördert. Die Ausstellung, die bereits einen Preis vom Deutschen Museumsverband und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bekommen hat, war dem Museum hoch willkommen - gerade weil junge Migranten nicht als klassisches Museumspublikum gelten: „Ein Grund dafür könnte sein, dass Zuwanderung im Museum kaum vorkommt - sie finden die Geschichte ihrer Familie nicht wieder“, sagt Kurator Jan Willem Huntebrinker.

Bei der Neukonzeption der Dauerausstellung 2016 soll sich das ändern - und dieses Fotoprojekt macht den Anfang. Herausgekommen ist dabei ein Mosaik aus Träumen und Alltagsszenen. So präsentiert die 13-jährige Ilayla ein Foto ihrer Eltern: „Für mich sind sie das Wichtigste im Leben“, schreibt sie dazu. Familie und Freunde sind für viele der Jugendlichen von großer Bedeutung.

Denis posiert außerdem neben einem schnittigen Sportwagen: „So einen will ich später mal haben“, sagt der 13-Jährige, der polnische und türkische Wurzeln hat. Romina zeigt ihren Handball vor: „Mein Ziel ist, dass ich einmal sehr gut spielen kann.“ Im Alter von Selbstsuche, Selbstfindung und Selbstdarstellung unterscheiden sich die Jugendlichen mit Migrationshintergrund in vielen Dingen nicht von anderen. In manchen jedoch schon.

Die 13-jährige Iman hat ein Foto beigesteuert, das sie 2010 vor der Zitadelle im syrischen Aleppo zeigt: „Das Bild bedeutet mir viel, denn das alles wurde im Bürgerkrieg zerstört.“ Der Horizont von Jugendlichen aus Zuwandererfamilien kann weiter reichen als der anderer Jugendlicher, da sie zwei Welten kennen: „Manche haben nur Deutschland als Heimat - ich fühle mich auch in der Türkei zuhause“, sagt die 13jährige Saba. Sie hat ein Bild ihrer Straße in Linden beigesteuert. Es hängt einträchtig neben einem Bild ihrer Familie am Meer in der Türkei.

Die Ausstellung ist im Historischen Museum bis zum 15. Februar zu sehen. Eintritt frei.

http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Schau-im-Historischen-Museum-Hannover-zeigt-Jugendliche-zwischen-zwei-Welten

 
     
 
 
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